Wenn das WIR zerbricht
Acryl auf Leinwand
Diptychon
2 x 100 x 100 cm
Oktober 2026
Wenn das WIR zerbricht
Ein „Wir“ zerbricht nicht immer, weil es schon lange nicht mehr funktioniert.
Manchmal zerbricht etwas, das trotz aller Unvollkommenheit getragen hat. Etwas, in dem es Streit gab und Versöhnung, Unterschiede und Kompromisse, Verletzungen und wieder Nähe. Etwas, das nicht perfekt war – aber echt. Und dann kommt dieser eine Moment, in dem das gemeinsame Gefüge nicht mehr hält.
Dann zerbricht nicht nur eine Beziehung.
Dann gerät das eigene Ich ins Wanken.
Ein Moment, der schmerzhafter nicht sein könntte und zutiefst erschüttert. Ein Mensch, der über Jahre Teil der eigenen inneren Sicherheit war, wird plötzlich zum Verlust und dann verliert man nicht nur einen anderen Menschen. Man verliert ein Stück Orientierung. Das Gehirn sucht verzweifelt nach Erklärungen, nach Zusammenhängen, nach einem „Warum“. Es rekonstruiert Gespräche, Blicke, Situationen und Erinnerungen – immer wieder – in dem Versuch, eine Realität zu verstehen, die nicht mehr zu dem passt, was man geglaubt hat. Und genau darin liegt für mich die dunkelste Seite des Bildes…Nicht nur das Herz fragt: „Wie konnte das passieren?“Auch die eigene Wahrnehmung fragt: „Kann ich mir selbst noch vertrauen?“ Das Diptychont erzählt deshalb von zwei Zuständen zugleich. Auf der einen Seite steht das Zerbrechen. Die Wucht des Verlustes. Das Gefühl, dass etwas, das über viele Jahre Halt gegeben hat, plötzlich aus den Händen gleitet. Auf der anderen Seite beginnt etwas, das zunächst kaum sichtbar ist…die Rückkehr zu sich selbst. Vielleicht muss manchmal ein gemeinsames Gefüge auseinanderbrechen, damit man erkennt, wie lange man sich selbst darin verloren hat. Vielleicht ist deshalb das „Ich“ hier nicht als fertige Form zu sehen. Es ist noch nicht angekommen. Es liegt zwischen den Fragmenten. Es tastet sich durch Schmerz, Wut und Verwirrung hindurch. Aber es ist da. Noch klein. Noch verletzlich. Noch erschüttert. Und trotzdem unübersehbar. „Wenn das Wir zerbricht“ ist für mich deshalb kein Diptychon über das Ende einer Liebe allein. Es ist ein Bild über Identität, Verlust und die schmerzhafte Rückeroberung des eigenen Selbst. Denn manchmal ist der schlimmste Moment nicht der, in dem das Wir zerbricht. Sondern der Moment danach, in dem man erkennt, dass man sich selbst darin fast verloren hatte. Und genau dort kann etwas Neues entstehen. Nicht sofort…Nicht leicht…Nicht ohne Narben.