Überflutung der geistigen Ordnung

Informationen zum Kunstwerk

Acryl auf Leinwand

Diptychon

2 x 80 x 80 x 1,6 cm

Mai 2026

Überflutung der geistigen Ordnung

Dieses Diptychon erzählt für mich nicht von zwei verschiedenen Bildern, sondern von zwei Zuständen desselben Inneren…von einem Moment, der langsam kippt.

Im linken Bild bewege ich mich noch in einer Art gedanklischer Weite. Die Farben atmen. Türkis, Grün und helles Gelb öffnen einen Raum, der ruhig wirkt, beinahe leicht. Die Formen schweben eher, als dass sie kämpfen. Selbst dort, wo Rot auftaucht, besitzt es noch Richtung…keinen Ausbruch. Ich empfinde diesen Zustand wie ein inneres Ordnen, ein vorsichtiges Zusammenhalten von Gedanken, Wahrnehmungen und Empfindungen. Nichts ist vollkommen still, aber alles scheint noch miteinander verhandelbar zu sein.

Dann verändert sich etwas.

Fast unmerklich beginnt die Atmosphäre zu kippen.
Das rechte Bild trägt für mich eine andere Temperatur. Das Rot breitet sich aus wie ein emotionaler Druck, der nicht mehr im Hintergrund bleibt. Die Farben verdichten sich, werden schwerer, heißer, unmittelbarer. Die geometrischen Elemente bahnen sich ihren Weg nicht länger nur konstruiert, sondern wie Fragmente eines Zustands, der sich meiner Kontrolle entzieht und plötzlich schneiden sich Linien durch den Raum…wie Gedanken, die zu schnell geworden sind. Formen stoßen aufeinander, driften auseinander, verlieren ihre Ruhe.

Und trotzdem bleibt eine gewisse Ordnung

Denn die Bilder machen nach wie vor die Ambivalenz meines Daseins sichtbar, indem sie sich permanent zwischen Gegensätzen bewegen…zwischen Kontrolle und Zerfall…zwischen Präzision und emotionaler Überforderung…zwischen Schönheit und innerer Spannung.

Zwischen den roten Flächen halten sich kleine Flächen von Klarheit innerhalb einer emotionalen Überflutung…wie der Versuch, einen inneren Halt zu bewahren, während sich gleichzeitig alles verschiebt. Die Elemente drücken dabei die Sprache meines Inneren aus… spitz, verletzlich, präzise und instabil zugleich. Es zeigt ein inneres Schwanken, ein Gleichgewicht, das noch existiert und im selben Moment bereits beginnt zu zerbrechen.

Aber es ist kein vollständiger Zusammenbruch…es ist eher der Moment davor. Der Moment, in dem mein Denken und Fühlen nicht mehr sauber voneinander getrennt werden können…wenn Emotion beginnt, sich über die geistige Ordnung zu legen, ohne sie ganz auszulöschen.

Wahrscheinlich liegt genau dort die Spannung…in dem Versuch, Struktur aufrechtzuerhalten, während sich darunter längst etwas entgrenzt.

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