Resonanz in gebrochenen Räumen

Informationen zum Kunstwerk

Arcyl auf Leinwand

Diptychon 2 x 30 x 40 cm

Erstellungszeitraum   Oktober 2026

Unikat

 

„Resonanz in gebrochenen Räumen“

Ein persönlicher Weg zwischen Verlust, Erinnerung und neuem Leben

Nachdem mein „Wir“ zerbrochen ist, ist es in mir nicht still geworden.

Obwohl unsere gemeinsame Zeit vorbei ist, klingt sie in mir nach. In Erinnerungen, die unvermittelt auftauchen. In vertrauten Orten und Dingen, die plötzlich eine andere Bedeutung tragen. In Fragen, auf die ich noch immer keine Antwort finde. Ich versuche zu verstehen, wie ein Mensch, der so lange Teil meines Lebens war, Entscheidungen treffen konnte, die meine vertraute Welt so grundlegend verändert haben.

Das Vergangene gehört nicht mehr zu meinem heutigen Alltag. Und doch begleitet es mich. Manchmal leise, manchmal mit einer Wucht, die mich selbst überrascht. Ich empfinde Trauer und Wut, Enttäuschung und Sehnsucht. Gleichzeitig gibt es Augenblicke, in denen ich Hoffnung spüre, mich lebendig fühle und sogar glücklich bin. Diese Gefühle schließen einander nicht aus. Sie gehören alle zu mir, auch wenn ich sie nicht immer miteinander in Einklang bringen kann.

In den kräftigen Rot- und Orangetönen dieses Diptychons finde ich etwas von dieser inneren Bewegung wieder. Das Rot brennt. Es trägt meine Verletzung, meine Wut und die Intensität dessen, was ich erlebt habe. Doch es ist nicht nur eine Farbe des Schmerzes. In ihm liegt auch Kraft, Leidenschaft und Lebendigkeit. Das Orange bringt Wärme und Licht in die Bildräume. Es erinnert mich daran, dass ich trotz allem noch fühlen, hoffen und mich auf etwas freuen kann.

Die geometrischen Formen scheinen ihre festen Plätze verloren zu haben. Sie überschneiden sich, verschieben sich und bilden neue Konstellationen. Ich sehe darin etwas von meinem eigenen Leben. Vieles, woran ich mich orientiert habe, gilt nicht mehr so wie früher. Verbindungen haben sich verändert, Gewissheiten sind ins Wanken geraten, und manches, das ich für selbstverständlich hielt, muss ich neu betrachten.

Ich suche nach einer neuen Ordnung, nach Halt und nach Antworten. Doch ich spüre zunehmend, dass ich nicht alles verstehen muss, um weiterzugehen. Nicht jede Frage wird sich beantworten lassen. Nicht jede Entscheidung eines anderen Menschen wird für mich nachvollziehbar werden. Und nicht jede Verletzung lässt sich dadurch auflösen, dass ich immer wieder darüber nachdenke.

Die weißen Linien durchziehen die Farbflächen wie Gedanken, die nach Orientierung suchen. Sie setzen Grenzen, geben Richtungen vor und schaffen neue Verbindungen, ohne die Unruhe vollständig zu beseitigen. Für mich stehen sie für den Versuch, wieder Klarheit zu finden. Ich möchte verstehen, was geschehen ist, und zugleich lernen, meine Kraft nicht länger ausschließlich an die Vergangenheit zu binden.

Vielleicht beginnt das Loslassen für mich nicht damit, dass ich keine Fragen mehr habe, sondern damit, dass ich nicht mehr auf jede Antwort warten muss, bevor ich mein eigenes Leben weiterführe.

So erzählt dieses Diptychon von Veränderung und innerer Bewegung, von den Spuren, die Erlebnisse hinterlassen, und von der Möglichkeit, ihnen eine neue Bedeutung zu geben. Die Brüche bleiben sichtbar, doch sie bestimmen nicht mehr allein das Bild. Zwischen den kräftigen Farben, den kantigen Formen und den hellen Linien entsteht ein neuer Zusammenhang.

Vielleicht liegt darin die leise Hoffnung dieses Werkes: dass nicht alles heil sein muss, damit etwas Neues entstehen kann. Dass Gegensätze nebeneinander bestehen dürfen und selbst in unruhigen Zeiten Licht und Lebendigkeit ihren Platz finden

Ich darf mich erinnern, ohne zurückkehren zu müssen. Ich darf traurig sein und trotzdem lachen. Ich darf wütend sein, ohne meine Werte aufzugeben. Und ich darf mich auf das freuen, was vor mir liegt, auch wenn noch nicht alle Wunden verheilt sind.

Ich weiß heute noch nicht, wie sich alles anfühlen wird, wenn mehr Zeit vergangen ist. Aber ich beginne zu begreifen, dass ich nicht erst vollkommen geheilt sein muss, um mein Leben wieder mit Freude zu füllen.

Vielleicht beginnt das Neue genau dort, wo ich wieder spüre, dass mein Leben mir gehört.

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